AG Gelnhausen, 30.09.2016 - 46 Ds – 2217 Js 14350/15

Tierquälerei durch Unterlassen

Sachverhalt:
Der mehrfach und auch einschlägig vorbestrafte Angeklagte überließ vom 11. bis zum 16.10.2014 eines seiner Rinder auf der Weide sich selbst, obwohl es eine Beckenfraktur erlitten hatte und daher bewegungsunfähig war. Er holte weder tierärztliche Hilfe noch erlöste er das Tier von seinen Qualen. Dabei wusste er, dass das Tier durch die Fraktur erhebliche Schmerzen und Leiden erlitt und sich in einer Stresssituation befand.

Beurteilung:
Durch Unterlassen hat der Angeklagte den Straftatbestand des § 17 Nr. 2 b) TierSchG verwirklicht. Durch das Nichtergreifen einer der o. g. Maßnahmen hat der Angeklagte dem Rind länger anhaltende erhebliche Schmerzen und Leiden zugefügt.

Entscheidung:
Das AG Gelnhausen hat den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt, deren Vollstreckung auf Bewährung (Bewährungszeit: drei Jahre) ausgesetzt wurde. Da die zuständige Behörde inzwischen den Rinderbestand des Angeklagten aufgelöst hatte, sei nicht zu erwarten gewesen, dass dieser weitere Verstöße gegen das TierSchG begehen werde.  
Außerdem wurde dem Angeklagten aufgegeben, insgesamt 2 000 € an einen Tierschutzverein zu zahlen.